Kolumne


16.05.2018 / Daniel Bächinger

Liebes (Fussballer-)Tagebuch…

Es ist Montag, der 14. Mai 2018 kurz nach der Mittagspause. Den Vormittag verbachte ich mehrheitlich am Telefon und musste mir diese und jene Sorgen der Mitarbeiter anhören und dabei hätte ich so viel zu tun. Naja, dafür wird man schliesslich bezahlt. Doch nun habe ich einige ruhige Minuten für mich, so dass ich endlich meine WhatsApp-Nachrichten kontrollieren kann. An der Häufigkeit der Vibrationen des ewigen Begleiters wurde sicherlich wieder einiges an Müll in den unzähligen Gruppenchats gepostet. Ein kurzer Blick in den Chatverlauf bestätigte meine Vermutung. Doch eine Nachricht aus dem Gruppenchat „FC ESV Chur“ weckte mein Interesse und mir fiel ein Stein vom Herzen, dass sich noch ein Spieler für den Match heute Abend finden liess. Da unser Coach krankheitshalber ausfiel, fiel mir die Ehre zu, sich um die ganze administrative Vorbereitung auf den Match zu kümmern. Wenigsten 14 Leute gegen… ja gegen wen eigentlich? Kurz nachgeschaut auf sfsgr.ch und meine Vorfreude auf den Match fiel. AC Metallbau Perazzelli. „Sh**t“, dachte ich. Ausgerechnet heute gegen diejenige Mannschaft, welche gefühlt die letzten 10 Titel in der Meisterschaft für sich in Anspruch nahm und sage und schreibe seit drei (DREI!!!) Saisons ungeschlagen ist. Mein Blick wich rüber aus dem Fenster auf die offene Wiese. „Das Wetter schlägt um“, sprach ich in leiser Hoffnung mit mir selbst. „Wenn es nun regnet, dürfte der Match sicherlich abgesagt resp. verschoben werden! Dies war sicherlich auch die Hoffnung des Spielers, welcher sich noch kurzfristig angemeldet hatte!“. Dieser Gedanke lies mich zu einem herzhaften Lachen hinreisen, so dass mich ein Mitarbeiter, welcher nun in meinem Büro stand und ich nicht bemerkte, etwas ratlos anschaute.
 
Der Nachmittag zog sich in die Länge, doch ich konnte die dringendsten Arbeiten erledigen. Kurz vor Feierabend machte ich den sechsten und letzten Versuch und rief die Hotline der Oberen Au an. Doch mit sanfter Frauenstimme wurde ich ein weiteres Mal darüber informiert, dass die Plätze der Ringstrasse und der Oberen Au offen sind. „Wurde das Tonband nicht aktualisiert? Es giesst wie aus Kübeln!“, entwich es mir. Doch mir war bewusst, dass der Match heute Abend wohl stattfinden wird und es nun Zeit war, die Mannschaftsaufstellung auf Papier zu bringen. Nach einem kurzen Telefonat mit unserem Coach war die Aufstellung klar und ich machte mich auf den Heimweg, um kurz nach 20 Uhr den Weg Richtung Obere Au in Angriff zu nehmen.
 
Vor Ort angekommen waren die meisten Spieler bereits da. Es wurde gefachsimpelt, etwas über die Absagen des vergangenen Spieltags gewitzelt und sich auf den heutigen Gegner eingestimmt. Umziehen, die Regenjacke anziehen und raus auf den Platz war die Devise. Als alle da waren, wurde kurz die Aufstellung und die heutige Taktik erklärt. Anschliessend wärmten wir uns auf und spielten uns gegenseitig den Ball etwas zu. Ich nahm mir kurz die Zeit und schaute, wer von den bekannten Gesichtern beim Gegner den anwesend ist. Mir fiel auf, dass es nur halb so viele Spieler und Fans waren wie sonst üblich, doch die starken Spieler sind mehrheitlich anwesend. „Wird schon schief gehen“, dachte ich mir und dachte zurück an die letzten Begegnungen, welche allesamt hart umkämpft, aber leider immer verloren gingen. Drei kurze Pfeiftöne rissen mich aus meinen Gedanken, der Schiedsrichter hatte soeben die vor uns begonnene Partie abgepfiffen. Da beide Mannschaften bereits aufgewärmt waren, begann unsere Partie gleich anschliessend.
 
Die Partie begann und es nahm den erwarteten Spielfluss. Der Gegner war mehrheitlich am Ball und versuchte sich durch die Abwehrreihen des ESV Chur zu spielen. Doch wir standen allesamt sehr kompakt und machten es dem Gegner schwer, so dass nie wirklich Torgefahr aufkam und wenn doch, stand ein starker Schlussmann im Kasten und machte die Chancen zu Nichte. Gelegentlich konnten wir in der ersten Hälfte des Spiels Konter fahren, doch zählbares resultierte vorerst nicht daraus. Erst als kurz vor Schluss Thomas lanciert wurde und mit einer feinen Einzelleistung das 1 zu 0 für uns erzielen konnte, merkten wohl alle auf dem Platz, dass das Spiel heute nicht so verlaufen muss wie die Vergangenen gegen diesen Gegner. Schliesslich hatten wir bereits eine starke Saison gespielt und genug Selbstvertrauen, auch gegen den heutigen Widersacher bestehen zu können. Halbzeit! Es gab lobende und aufmunternde Worte vom Captain und die Anweisung, weiterhin so zu spielen wie bis anhin. Schliesslich liessen wir wenig zu und konnten trotz weniger Ballbesitz die etwas klareren Torchancen erarbeiten. Die Chronologie der nächsten Tore ist mir leider entfallen, doch wir waren stets mit einem Treffer in Front und mussten erst kurz vor Schluss den 4 zu 3 Anschlusstreffer des Gegners hinnehmen. Nochmals wurde es brenzlig, da der Gegner nun alles nach vorne warf. Auf Seite des ESV wurde jedoch gekämpft! Schüsse wurden blockiert, etwas Zeit hie und da verzögert, nochmals einen taktischen Wechsel. Und tatsächlich pfiff der Schiedsrichter die faire Partie ab und unser Sieg war Tatsache. Grandios! Die Freude war jedem Spieler des ESV Chur anzusehen. Eine starke Teamleistung hat uns in dieser Regenschlacht den Sieg über den AC Metallbau Perazzelli beschert. 
 
Nach Spielschluss erfuhren wir, dass die AC Metallbau Perazzelli sich aus der Meisterschaft zurück zieht und mit der heutigen Niederlage Ihre Karrieren beendet seien. Die Enttäuschung über die Niederlage war nicht all zu gross, da der Gegner trotz der Niederlage die Meisterschaft ein weiteres Jahr gewinnen konnte.
 
Nachdem auf dem Platz etwas gefeiert wurde, machten wir uns anschliessend auf unter die warme Dusche und jeder ging seinen Weg nach Hause. Um kurz nach 24:00 Uhr schlief auch ich mit einem guten Gefühl ein und freue mich bereits auf den nächsten und letzten Match in dieser Saison gegen die PDGR in zwei Wochen.
 
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Der FC ESV Chur gratuliert dem alten und neuen Meister herzlich zu dessen Titelgewinn und bedankt sich bei der Mannschaft für die fairen und hartumkämpften Aufeinandertreffen der vergangenen Jahre! Alles Gute für die Zukunft - sowohl auf als auch neben dem Fussballplatz!
 

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